Blueaquin, eine zeitgenössische Berliner MalerinFür Blueaquin ist Kunst eine Sprache, die jeder Mensch intuitiv versteht. Ein gutes Bild verpackt den Inhalt ganzer Romane in kürzester Form. Mit ihrer Malerei erzählt die Künstlerin poetische Geschichten, die den Betrachter berühren, inspirieren, gegebenenfalls auch provozieren. Ihre Werke sind Spiegel des Lebens, geformt aus Farben, Gedanken und Emotionen.
Schon als Kind war für Stefanie Blueaquin klar, dass ihr Leben eng mit der Malerei verbunden sein würde. „ Die Malerei ist meine Berufung!“, stellte sie später fest.
Stefanie Blueaquin wuchs in der geteilten Stadt Berlin auf. Im Osten Berlins entwickelte sich die „Neue Berliner Schule“. Zu dieser Kunstrichtung fühlte sie sich hingezogen. Schon in früher Kindheit besuchte sie Zeichenkurse von Malern dieses Umfeldes. Zwischen Schule, Abitur und einem Volontariat beim Fernsehen der DDR, absolvierte sie von 1983- 1989 ein Abendstudium an der Kunsthochschule Berlin- Weißensee im Fachgebiet der Malerei und Grafik. Im Wendejahr 1989 begann sie ihr Studium an der Kunsthochschule. Mit dem Fall der Mauer begannen die Umbrüche. Die junge Künstlerin war inzwischen verheiratet und erwartete ihr erstes Kind. Ihr Mann musste aus beruflichen Gründen nach Oldenburg umziehen. Blueaquin unterbrach ihr Studium für ein Jahr und folgte ihm. 1991 gebar sie ihren Sohn Amadeus in Oldenburg. In dieser Stadt hatte sie ihre erste Einzelausstellung in der Galerie der Nordwest- Zeitung, die große Anerkennung fand und wurde Mitglied im Bund Bildender Künstler. 1992 kehrte sie nach Berlin zurück und setzte ihr Studium an der Kunsthochschule fort, das sie 1995 als Diplom- Modedesignerin abschloss. Noch während des Studiums hatte sie 1994 ihre zweite große Einzelausstellung im Französischen Hof am Gendarmenmarkt, die von so berühmten Gästen wie Michael Schumacher besucht wurde. Seit 1995 arbeitet Blueaquin als selbständige Künstlerin. 1997 erblickte ihr Sohn Leonardo das Licht der Welt. In den Anfangsjahren wurde die Arbeit der Malerei immer wieder durch Phasen unterbrochen, in denen sie in verschiedenen Fernsehproduktionen als Kostümbildnerin mitwirkte. Ihr Herz schlug jedoch immer für die Malerei.
Die expressive Ausdruckskraft der Bildwerke von Matthias Grünewald, El Greco und Otto Dix, begeistern Blueaquin im besonderen Maße. Ihre wichtigsten Lehrer waren Martin Seidemann im Abendstudium der Malerei und Prof. Dietrich Noßky sowie Prof. Eva Mücke im Studium an der Kunsthochschule Berlin- Weißensee.
Die ersten künstlerischen Jahre waren geprägt durch experimentelles Arbeiten. Die Malerin bevorzugte Mischtechniken und Collagen. Seit einigen Jahren hat sich Blueaquins besondere Vorliebe zur Ölmalerei heraus kristallisiert. So entstehen überwiegend figurative großformatige Gemälde. Ihre Farbpalette bewegt sich zwischen expressiver Leidenschaft und sinnlichem Erleben in fein nuancierten Farbakkorden. Azurblau trifft auf Rubinrot, Zimt, Vanillegelb, Lindgrün, Pariserblau und Malachitgrün um in einen violettgrauen Farbschleier einzutauchen. Lasierende transparente Farbschichten korrespondieren mit deckenden, pastosen und strukturierten Bereichen.
Inspiration findet die Künstlerin in Alltagssituationen, im persönlichen und gesellschaftlichen Umfeld, der Natur und in religiösen Themen. Im Mittelpunkt ihres ausdrucksstarken Schaffens steht meist der Mensch mit seinen Freuden, Lastern, Ängsten und Befindlichkeiten. Ihre Bildnisse sind einfühlsam. Gesichtsausdruck, Körperhaltung und Hände offenbaren eindrucksvoll den emotionalen Zustand der Porträtierten.
Thematische Schwerpunkte ziehen sich oft über Jahre wie ein roter Faden durch Blueaquins künstlerisches Schaffen. Die Jahre 2007 und 2008 widmete sie einem 14 teiligen Kreuzwegzyklus, der das Leiden Jesu in Bezug zu Ängsten und Problemen unserer heutigen Zeit setzt. Dieses außergewöhnliche Werk verbindet Tradition und Moderne auf bemerkenswerte Weise. Sowohl in katholischen und evangelischen Gotteshäusern als auch in weltlichen Ausstellungsorten berührte der Kreuzweg unzählige Menschen. Der Kreuzwegzyklus Blueaquins holt die Menschen dort ab, wo sie gerade stehen, bei den Sorgen und Nöten, die sie beschäftigen. Arbeitslosigkeit, Einsamkeit, Konsumdruck, Schulden, Krankheit, Behinderung, Trauer, Gewalt gegenüber Andersdenkenden, Intoleranz sind u.a. Themen dieses ergreifenden Werkes.
Seit 2009 widmet sich die Malerin dem pulsierenden Leben der Großstadt.
Ein Künstler trägt nach Auffassung Stefanie Blueaquins ein hohes Maß an Verantwortung. Kunstschaffende sind Botschafter, die viele Menschen erreichen können. Blueaquin schätzt deshalb Künstler, die ihre Popularität dazu nutzen, sich für positive Ziele wie Toleranz, Menschlichkeit, den Erhalt der Umwelt und Natur und ähnlichen Themen einzusetzen. Kunst entsteht zwar aus den subjektiven Erfahrungen eines Einzelkünstlers. Dieser schöpft jedoch aus dem Erleben des Zeitgeschehens und spiegelt so das Bewusstsein einer Zeitepoche wider. Dessen ist sich die Malerin durchaus bewusst. Mit ihren konkreten Bildbotschaften tritt sie für ihre Ideale ein. So sind auch im fröhlichen Trubel der Großstadtbilder Blueaquins nachdenkliche Tendenzen zu entdecken. In ihrer Reihe Großstadthelden sucht die Malerin Menschen, deren Körpersprache eine Geschichte erzählt. Gern porträtiert sie den Fremden, dem sie sich vorbehaltlos nähern kann, ohne mit dem Wissen um dessen Lebensumstände und Verhältnisse belastet zu sein. So kann sie sich voll auf den Moment, den Ausdruck eines Gefühls, das Niederschlag findet im Gesicht, in der Bewegung der Hände und letztendlich der gesamten Körperhaltung des Gegenübers konzentrieren. Es geht ihr nicht um ein eigentliches Porträt einer ganz bestimmten Persönlichkeit, sondern um das Darstellen von Emotionen, die Menschen aller Altersklassen und kultureller Herkunft miteinander verbinden. Es geht ihr darum, zu zeigen, dass hinter aller Maskerade, auffälliger Kleidung und Kostümierung, ein Mensch mit seinen Fehlern und Schwächen, mit seinen Stärken und Fähigkeiten, mit seinen Ängsten und Hoffnungen, mit seinen Freuden und Visionen, ein Mensch, unabhängig von seiner Herkunft, der es wert ist, geliebt und geachtet zu werden, vor uns steht.
Die besondere Ausstrahlung erhalten die Bildwerke Blueaquins durch das Einfließen ihrer durch Ideale geprägten Persönlichkeit und Authenzität. Das Leben ist für Blueaquin eine spannende Reise voller Abenteuer, mit ungewissem Reiseverlauf und unklarem Reiseziel, eine Reise, in der es letzten Endes darum geht, zu lernen und Antworten auf die wichtigsten Fragen des Lebens zu finden: „Wer bin ich?“, gefolgt von der Frage, „Warum bin ich?“. Was als Monolog der Malerin bei der Schaffung ihres Kunstwerkes beginnt, wird, wenn Publikum vor die entstandenen Bilder tritt, zu der Frage nach dem Wir. „Wer sind wir und warum sind wir?“
Ausstellungen und Präsentationen haben die Werke der Künstlerin bereits quer durch Deutschland und darüber hinaus getragen, u.a. nach Berlin, Bonn, Kopenhagen, Nürnberg, Lübeck und Potsdam. Einen wichtigen Höhepunkt ihrer Ausstellungstätigkeit bildet in diesem Jahr ihre Teilnahme an der Berliner Liste vom 29.9.- 2.10.2011.
Dr. Rainer Krohn, Febr. 2011